backup_festival 2014 – Resümee

Kinder, wie die Zeit vergeht! So lange haben wir darauf hin gefiebert, und schon ist es wieder vorbei! Am Sonntag ging das backup_festival 2014 mit dem Motto „Zeitreisen“ nach fünftägiger Spielzeit zu Ende. Sie haben es nicht ins E-Werk oder zu einem der anderen Spielorte geschafft? Dann freue ich mich, Ihnen hier einige Highlights unseres diesjährigen Kurzfilmfestes präsentieren zu dürfen:

Allgemein herrschte eine großartige Atmosphäre in der aufwändig dekorierten Lounge hinter dem Lichthaus Kino. Mit professionellem Lichtarrangement und künstlerisch hochwertigen Projektionen hatte es das Szenografie-Team geschafft, dem alten Industriegebäude Gemütlichkeit einzuhauchen. Ein faszinierendes Ambiente war auch am zweiten Veranstaltungsort, dem Gaswerk in der Schwanseestraße 92, geschaffen worden. Die Ausstellung der Video-Installationen sowie der Sonderprogramme von Filmemachern aus New York und Wien wurde dort in imposanten Aufbauten und Kulissen von Zeitmaschinen und beispielsweise in einem selbstkreierten Amphitheater in Szene gesetzt.

Im Mittelpunkt standen jedoch natürlich die Film-Wettbewerbe, der backup_clip_award, der Publikumspreis herzblut_award und der backup_award. Bei ersterem kürten der Londoner Gamespezialist und Regisseur Ian Gouldstone, der Medienmanager Oliver Sittl und die Vorjahrespreisträger und Filmemacher Brendan Uffelmann und Facundo V. Scalerandi das beste Musikvideo des backup_festivals. Dieses Jahr machte „Metube: August sings Carmen Habanera“ von Daniel Moshel das Rennen. Das absurde Projekt des Regisseurs, der an der Fachhochschule Salzburg studiert hat, zeigt auf hintersinnige Art und Weise ein Cross-Over aus Operngesang, elektronischen Klängen und einer raffiniert skurrilen Selbstinszenierung seiner Protagonisten. Die Jury bemerkte, dass dieses Video unter Beweis stelle, dass „Wien schon vor Conchita Wurst die Musikhauptstadt Europas“ war. Den zweiten Preis der Kategorie backup_clip_award gewann „Hex“ von Benjamin Ramirez Perez von der Kunsthochschule in Köln. Das Musikvideo für die Kölner Band Xul Zolar zeigt eine wilde Fahrt durch die leeren Gänge eines Hotels. Die Musik wird hier durch eine klug inszenierte Lichtgestaltung hervorgehoben und unterstützt.

Auch die bei backup_at_home in studentischen Wohnzimmern gezeigten Kurzspielfilme wurden prämiert, mit dem herzblut_award nämlich. Dieser wurde, wie bereits in den vergangenen Jahren, vom Publikum der jeweiligen Spielorte vergeben. In dieser Kategorie siegte das emotional anrührende und zugleich humorvolle Werk „L-Liebe“ von Tanja Bubbel. Es geht darin um Anne, die ihrem Freund Hanno nicht sagen kann, dass sie ihn liebt. Stattdessen gerät sie in heilloses Stottern. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin versucht sie herauszufinden, was es mit ihrer Unfähigkeit auf sich hat, die Worte “Ich liebe Dich” auszusprechen.

In der Steigerung der Chronologie dieses Kurzberichtes nun zum backup_award, dem eigentlichen Aushängeschild des Festivals. Hier verlieh die Fachjury, bestehende aus der Festival- und Kinomacherin Andrea Wink, dem Vorjahrespreisträger und Animationsfilmer Robert Löbel und dem Bauhaus-Absolventen und Regisseur Sebastian Binder, drei Preise an die besten Kurzfilme. Den dritten Platz machte das Werk „A recipe for making camera-less computational video – american style“ was übersetzt so viel bedeutet wie: „wie man ohne Kamera Videos am Computer erstellen kann“. Der Titel beschreibt den Inhalt schon ziemlich genau. Es handelt sich um einen Film, der quasi nur aus bewegten Screenshots besteht und der dokumentiert, wie ein Video auf verschiedenste Online-Plattformen geladen wird. Die konsequente Grundidee und die unkonventionelle Art des Filmemachens beeindruckten die Jury genauso wie die kritische Botschaft dahinter: Inwieweit ist es sinnvoll, die unendlichen digitalen Verbreitungsmöglichkeiten zu nutzen? Dafür bekam Regisseurin Jolene Mok von der Duke University in China auch einen der beliebten backup Pokale, die von Elise Hentzschel von der Bauhaus-Universität extra gestaltet wurden und passend zum Motto „Zeitreisen“ die Optik einer Sanduhr haben. Über einen solchen Pokal durfte sich auch Nienke Deutz aus Kask in Belgien freuen, die den zweiten Preis des backup_awards gewann. Ihr Film „Een, zwee, drie, piano“ stellt die Lebensläufe von Menschen anhand eines Kinderspiels dar, das Ihnen eventuell unter anderem Namen bekannt ist. Die Regeln sind einfach: 1. Der erste Spieler, der den Spielführer erreicht, gewinnt. 2. Man kann sich nur bewegen, wenn der Spielführer nicht hinsieht. 3. Wenn er sieht, dass du dich bewegst, musst du von vorn anfangen. Die Jury fand vor allem die eigenwillige Idee bemerkenswert und die außergewöhnliche Umsetzung mit Animationen und Modellbauten. Den ersten Preis, und damit verbunden auch 700€, gewann ein weiterer teilanimierter Kurzfilm: „Trespass“ von Paul Wenninger, Absolvent der Hochschule der bildenden Künste in Wien. In diesem Werk liegt das Augenmerk auf einer aus Realbildern animierten Figur, welche der Film gleichsam auf Weltreise in den eigenen vier Wänden schickt. Die Außenwelt erscheint dabei zerrissen und wechselvoll. Der Zuschauer erlebt eine Reise und ist gleichzeitig Teil einer Geschichte. Die Jury betonte hier besonders den hohen technischen Perfektionsgrad und die philosophischen Interpretationsmöglichkeiten.

Auch in der Kategorie backup_award durfte das Publikum abstimmen und so einen weiteren Publikumspreis vergeben. Die Wahl der Zuschauer fiel ganz anders aus als die der Jury, sie wählten „Not delivered“ von Vincent René-Lortie von der Concordia Universität in Canada auf den ersten Platz. In diesem Film geht es um nicht zugestellte Briefe und Pakete, deren Inhalte des Nachts zum Leben erwachen. Die verwendete Musik vermittelt eine gewisse Melancholie, die im Gegensatz steht zu den witzigen Animationen der Post. Dieser Spannungsbogen konnte am meisten begeistern und das knappe Rennen auf den vorderen Plätzen für sich entscheiden.

Filmemacher, die nicht vor Ort sein konnten, sendeten Videobotschaften aus aller Welt zur Preisverleihung. Die Gewinnerfilme wurden mit einer Abschluss-Show gewürdigt und an dieser Stelle auch noch einmal explizit vorgeführt.

Ein weiteres Highlight des Festivals, neben den Kinoveranstaltungen, Vorträgen und der Preisverleihung, war die große bckp Party am Freitagabend im Gaswerk. Scheinbar ganz Weimar feierte hier mit dem backup-Team, der Jury und den externen Gästen. Die extra eingeflogenen DJs verbreiteten mit ihren Musik-Vibes eine tolle Stimmung, und es wurde getanzt, bis die Sonne wieder auf ging und auch sicher jedes T-Shirt durchgeschwitzt war. Sogar die Filmemacher aus New York nannten die Weimarer Feierkultur „awesome“, also großartig!

Zusammenfassend ist beim backup_festival 2014 wieder von einem großen Erfolg für alle Beteiligten zu sprechen. Mit interessantem Rahmenprogramm, abwechslungsreichen Filmen, inspirierenden Gesprächen und tollen Musikveranstaltungen blieben keine Wünsche offen!

Text: Lisa Hager

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